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Gewässerschutz am Rhein

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Der Gewässerschutz am Rhein gehört zu unseren Schwerpunkten.

Zu einer den aktuellesten Beiträgen von Mitgliedern des Regiowasser e.V. zum Thema Rhein gehören eine

BUND- Hintergrundpapier: Hochwasserrückhalt durch Auenrevitalisierung.- Mit Deichrückverlegungen und Auenrevitalisierungen zu mehr Hochwasserschutz an Rhein und Main

Studie zum Baden und Schwimmen in einem deutsch-französischen Grenzgewässer

Der Rhein ist einer der am intensivsten genutzten Flüsse der Erde, gleichzeitig Lebensraum für Mensch, Tiere und Pflanzen. Er nimmt kommunale und industrielle Abwässer auf, ist Schifffahrtsstraße, dient der Trinkwassergewinnung, der Wasserentnahme für Kühlzwecke und ist Erzeuger erneuerbarer Energie (Wasserkraft).

Spätestens seit dem Sandoz-Unfall von 1986 hat sich die Wasserqualität des Rheins deutlich verbessert. Mit den Programmen Lachs 2000 und Rhein 2020 hat die Internationale Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) ehrgeizige Ziele für die weitere Sanierung des Rheins formuliert. Wie eine erste Zwischenbilanz zeigt, sind viele Dinge erreicht, weit aus mehr Dinge aber noch zu tun:

Grundwasser:
Die Belastung mit Salz, Nitrat und Pestiziden war und bleibt noch auf lange Sicht ein vielschichtiges Dauerthema im Einzugsgebiet des Rheins und auf eine Darstellung
muss an dieser Stelle verzichtet werden.

Altrhein(e) und Konzessionserneuerung(en):
Mit dem Ablauf der Konzessionen der einzelnen Wasserkraftwerke am Oberrhein erhält die Ökologie eine Chance, den Rhein als Lebensraum für Mensch, Pflanzen und Tiere neu zu bewerten und zu gestalten. Für einen naturnäheren Rhein sind 3 grundlegende Voraussetzungen notwendig: Wasser, Geschiebe und Fläche. Am Beispiel der Neu-Konzession Kembs wird sich zeigen, wie weit die Chancen gesellschaftlich genutzt werden. -> www.restrhein.de

Durchwanderbarkeit des Rheins:
Der Rhein und seine Nebengewässer waren aufgrund ihrer geographischen Lage nicht nur irgendwelche, sondern die Lachsgewässer Europas.
Wasserregime, gemäßigte Wassertemperaturen und ausreichend Sauerstoff im Lückensystem der Stromsohle waren Garant für die größte Lachspopulation Europas. Selbst nach der Tullaschen Rheinregulierung wurden im Durchschnitt allein im Oberrhein noch etwa 70.000 Lachse pro Jahr gefangen. Wie es dem Lachs und vielen anderen ehemaligen Bewohnern durch Ausbau des Rheins zur Schifffahrtsstraße und Umwidmung in einen Abwasserkanal erging dürfte allgemein bekannt sein. Hier vor unserer Haustüre in der Elz wurde der letzte Lachs in den 1950er Jahren gefangen und nicht nur die meisten Kinder, sondern auch die meisten Erwachsene haben noch nie einen Lachs in seiner natürlichen Umgebung gesehen. Die Internationale Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) hat
sich seit vielen Jahren zum Ziel gesetzt im Rhein wieder eine stabile Lachspopulation anzusiedeln. Erste Erfolge sind sichtbar, wie die zunehmende Zahl an Rückkehrern zeigt.
Gleichzeitig sind die Probleme aber noch vielschichtig. So sind die Beifänge vor der holländischen Küste und in der irischen See zu groß, das Haringfleet in Holland eine zumindest noch bis 2008 unüberwindliche Barriere und bis nach Basel müssen für Lachs & Co. noch viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Darüber hinaus sind, um eine stabile Lachspopulation im Oberrheingebiet zu etablieren (man schätzt dass hierzu etwa 7000 Rückkehrer notwendig sind) sämtliche Potentiale auszuschöpfen, und viele der vor vielen Jahrzehnten durch Verbauung zerstörten Lebensräume im Rhein und seinen Nebengewässern wieder herzustellen. -> www.restrhein.de

Workshop „Durchgängkeit Rhein“ 22./23. Juni 2007, Freiburg i.Br. Zusammenfassungen der Vorträge
Geschiebefrage:
Für die Wiederherstellung der Flusslebensräume (Lückensystem, Laichhabitate etc.) zählt die Reaktivierung und Durchleitung von Geschiebe am Rhein zu den wichtigsten und vielleicht auch langwierigsten Aufgaben, um so wichtiger ist es entsprechende Ansätze zeitnah zu beginnen. Strukturdefizite und Auenauflandung: Ökologische Defizite bestehen insbesondere in der ungenügenden Anbindung der Auengewässer, in erheblichen Strukturdefiziten infolge einer durchgängigen Ufersicherung, sowie in dem massiven Eintrag von Feinsedimenten und der dadurch bedingten Auenauflandung. Letztere trägt zur Verschärfung der Hochwassergefahr bei und gehört wahrscheinlich zu den Themen, die am wenigsten auf der bisherigen Agenda in der Wasserwirtschaft am Rhein stehen.

Wärmebelastung des Rheins:

BUND-Abwärmestudie
Vor allem in den Sommermonaten müssen sich zukünftig Industrie, Forst- und Landwirtschaft sowie die Haushalte die knapper werdenden Wasserressourcen teilen. Niedrige Abflussmengen und gestiegene Temperaturen könnten fatale Folgen für Mensch und Natur mit sich bringen. Nach Berechnungen der Niederländer führen bereits heute die erheblichen Wärmeeinleitungen aus Kraftwerken und Industrieprozessen streckenweise zu einer zusätzlichen Erwärmung des Rheins von bis zu 5 Grad Celsius. Es spricht vieles dafür, dass wir bereits heute auf die zu erwartenden geänderten Abfluss- und Temperaturbedingungen ganz neue Strategien für den Umgang mit den Wasserressourcen entwickeln müssen. Hierzu gehören naturnahe Flächen für die Hochwasserrückhaltung, die Wiederherstellung oder Neuschaffung von Wasserspeichern, die Herstellung von Niedrigabflussrinnen und die Begrenzung der Wärmeeinleitungen.

Mikro- und Makroverunreinigungen:
Trotz der guter Reinigungsleistungen vieler Kläranlagen am Rhein werden nicht alle Stoffe in den Kläranlagen zurückgehalten oder abgebaut. Insbesondere schwer abbaubare Substanzen, analytisch zusammengefasst als „refraktärer CSB“ (CSB steht für Chemischer Sauerstoffbedarf) gelangen noch immer täglich im Tonnenmaßstab aus den Kläranlagen in die Gewässer des Rheineinzugsgebietes. Hinter dem schwer abbaubaren CSB verbirgt sich für die Gewässerökologie nach wie vor ein nicht kalkulierbares Gefahrenpotenzial chemischer Verbindungen. Durch die verbesserte Analysentechnik werden zunehmend in Gewässern auch chemische Verbindungen in sehr geringen Konzentrationen (meist Nanogramm pro Liter =ng/l) nachgewiesen, die sogenannten „Mikroverunreinigungen“. Neben Schwermetallen zählen hierzu organische Chemikalien wie Pestizide, Tier- und Humanarzneimittel (z.B. Antibiotika, Hormone, Kontrastmittel) und eine ganze Reihe von Umweltchemikalien, darunter z.B. Duftstoffe, Antifoulingmittel, Desinfektionsmittel, Waschmittelbestandteile). Mikroverunreinigungen sind derzeit kein akutes Problem. Aus Gründen der Vorsorge muß ihnen in Zukunft jedoch mehr Aufmerksamkeit als bislang geschenkt werden.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Einbindung der Verbände, Bürgerbeteiligung:
Die Umweltverbände sehen, dass vor allem die zersplitterten Verantwortlichkeiten eine sachgerechte Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) insbesondere beim Rheinstrom selbst erschweren. In Deutschland sind praktisch alle Verwaltungsebenen für einen Teil oder eine Funktion des Gewässernetzes des Rheins verantwortlich. Bereits 2002 haben einige deutsche Umweltverbände die Umwandlung der Bundeswasserstraßenverwaltung in eine Bundesflussagentur gefordert, die auf den Schutz von Mensch und Natur verpflichtet werden müsste und nicht nur auf die Aufrechterhaltung der Binnenschifffahrt. Die Wasseragenturen Frankreichs geben ein Beispiel dafür, wie eine an Einzugsgebieten ausgerichtete Verwaltungsstruktur aussehen kann.
Verwaltungsreformen, Deregulierung, Personalabbau: Mit Sorge sehen die Umweltverbände, dass sowohl in den Wasserwirtschafts- und Umweltverwaltungen aller Rheinanliegerstaaten als auch in den Umweltabteilungen der industriell-gewerblichen Emittenten seit Jahren fortschreitend der Personalbestand ausgedünnt wird. Die Überwachung und Kontrolle der Emissionen und der Immissionen durch die Behörden ebenso wie durch die firmeninterne Eigenkontrolle verliert schleichend an Qualität.

Thema: 

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