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Überfischung mauretanischer Fischgründe durch EU-Fangflotten

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Ein regioWASSER-Praktikant aus Mauretanien berichtete uns authentisch über die Raubfischerei durch EU-Fangflotten an der westafrikanischen Atlantikküste. In Folge der Überfischung der mauretanischen Küstengewässer durch industriell ausgerüstete Fangflotten aus EU-Mitgliedsstaaten kommt es zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der ohnehin prekären Ernährungslage und der Beschäftigungsverhältnisse in Mauretanien. Aufgrund der Raubfischerei sind inzwischen auch seltene Tierarten wie die Mönchsrobbe oder verschiedene Delphin-Arten in Gefahr. Das Abkommen zwischen der EU und Mauretanien über eine für beide Seiten verträgliche Fischerei liegt derzeit auf Eis, weil keine Einigung über die Details der finanziellen Entschädigungen für Mauretanien erzielt werden konnte.

In einem Brief haben wir das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) dazu aufgefordert, sich in der nächsten Konferenz der EU-Fischereiministerinnen und –minister sowie durch direkte Kontaktaufnahme mit der EU-Kommission dafür einzusetzen, dass dieser Missstand endlich beseitigt wird. Bisher haben wir noch keine Stellungnahme erhalten....

 Wer Fragen zu dem Thema hat, kann sich gerne an uns wenden.


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Mauretanien liegt westlich der Sahara. Die Wirtschaft des Landes basiert weitgehend
auf dem Export von Mineralien (Eisenerz) und der Fischerei. Mauretanien verfügte an seiner Atlantikküste über einen der weltweit ertragreichsten Fischgründe. Der Fischereisektor in Mauretanien sollte mit EU-Beihilfen (2008-2012) unterstützt werden. Im Gegenzug musste Mauretanien zugestehen, dass EU-Fangflotten auf die mauretanischen Fischgründe zugreifen durften. In dem Vertrag war zudem vorgesehen, die Auswirkungen der Fischerei auf die maritime Umwelt zu reduzieren und die Bewirtschaftung der Fischbestände zu optimieren.

Das Fischereiabkommen EU / Mauretanien würde der Bevölkerung tatsächlich zu Gute kommen, wenn folgende Punkte berücksichtigt würden:

• Die Vereinbarungen müssen so transparent formuliert werden, dass Tricks und Ausflüchte der Akteure nicht mehr möglich sind.
• Die Zivilgesellschaft muss in die Vertragsvereinbarungen mit einbezogen werden – dies gilt insbesondere für die traditionellen Fischer und die Fischfang-Genossenschaften.
• Die Erhaltung der Fischbestände muss garantiert werden, damit die mauretanischen Fischer ihre Boote nicht für den Menschenhandel und für Schleuser zu Verfügung stellen.
• Die handwerkliche Fischerei muss weiterentwickelt werden, weil die traditionelle Fischerei der Garant für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände und damit für ein nachhaltiges Wirtschaften an der mauretanischen Atlantikküste anzusehen ist. Zudem sind die Fischerträge der heimischen Fischerei von essenzieller Bedeutung für die Eiweißversorgung der mauretanischen Bevölkerung.

-  Da die traditionelle handwerkliche Fischerei selektiver arbeitet als die industriellen Fangflotten kann sie auch mehr Rücksicht auf gefährdete Meeresbewohner nehmen – beispielsweise auf jetzt schon überfischte Cephalopoden. Damit gewährleistet die traditionelle mauretanische Fischerei auch besser als die industrielle Raubfischerei die Einhaltung von Meeresschutzbestimmungen unter dem Dach des Seerechtsübereinkommens der UN von 1982.

-  Für die Akzeptanz eines Fischereivertrages zwischen der EU und Maurtaniens ist es wichtig, dass ein Win-Win-Ansatz angestrebt wird, der die Verpflichtung zu schonenden Fangmethoden – insbesondere durch handwerklich arbeitende Trawler – mit einschließt.

-  Es sollte eine Kontrollkommission eingerichtet werden, an der die traditionell arbeitenden Fischer beteiligt werden müssen.

Transparenz, Beteiligung der Betroffenen aus der handwerklichen Fischerei, der Einbezug der Zivilgesellschaft und von NGOs gilt als ein guter Weg, um eine nachhaltige Entwicklung anzustreben und um die inhärenten Probleme in der mauretanischen Fischerei zu lösen. So könnte von der EU auch ein wesentlicher Beitrag zur Bekämpfung der Armut in Mauretanien geleistet werden.

 (Auszug eines Berichtes von Malick Dieng aus Mauretanien, Praktikant beim Ak Wasser im BBU/regioWASSER e.V. von Dez. 2011 bis Febr. 2012)


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